Nanu, was ist denn das? Ich glaube, das Buchbinderlein ist dieses Jahr ein wenig spät dran mit seiner Steuererklärung. Da sitzt er und sortiert Belege, am Tag des Heiligen Columban, Patron der Buchbinder. Hoffentlich hat er schon ein Elster-Zertifikat auf seinem Laptop, dann kann er nach dem Festessen gleich loslegen mit seiner EÜR.
Da der Meister heute anscheinend einen Büro-Tag einlegt, muss Emily allein arbeiten. Aber da sie fleißig war und ihre Gesellenprüfung mit Bravour bestanden hat, ist das ja kein Problem.
Die Werkstattkatze und ich wünschen allen Buchbindenden, Schachtelmachenden und Papierwerkenden frohes Schaffen und allzeit gutes Gelingen!
So sieht mein Arbeitsplatz zur Zeit aus. Ich beziehe Unterteile von Bleistiftschachteln auf Plattform mit pariserblauem Efalin. Efalin ist ein strapazierfähiges Bezugsmaterial mit einem Gewicht von 120 g/m², sieht auch sehr gut aus, ist aber ziemlich widerspenstig in der Verarbeitung. Beim Leimauftrag rollt es sich ein, es ist starr und will sich nicht so einfach um Ecken und Kanten legen, ohne sanfte Gewalt läuft gar nichts. Das macht das Arbeiten mit Efalin anstrengend (und was für eine Wohltat, wenn man danach wieder zum Chiyogami übergehen kann!).
Ich habe einmal von jemandem den Tipp bekommen, dass man Efalin vor der Verarbeitung eine Weile unter feuchte Tücher legen kann, denn dann ist es weniger störrisch. Ich glaube, dieselbe Person hat auch erzählt, dass früher in der größeren Buchbinderei die Kollegen gerne einmal krank waren, wenn Efalin verarbeitet wurde. Das kann ich absolut nachvollziehen!
Warum schlage ich mich dann mit diesem eigensinnigen Material herum? Weil ich noch von einer früheren Auftragsarbeit eine Menge größerer Schnittreste dieses pariserblauen Efalins habe. Dann habe ich auch noch eine Sammlung neuer italienischer Buntpapiere und ein britisches Marmorpapier, was zusammen mit dem Efalin einfach edel aussieht. Es gibt also demnächst eine neue Gruppe von Bleistiftschachteln auf Plattform.
Und danach entwerfe ich eine neue Kollektion von Schachteln mit Wickelhülle für die Weihnachtsmesse Karlsruhe, wo ich wieder mein geliebtes Chiyogami verarbeiten kann.
Jetzt aber noch ein paar Werkfotos von den Schachteln mit Efalin:
Da Efalin so steif ist, müssen die Ecken sauber ausge-
arbeitet werden. Hier wende ich eine Methode an, die
ich von Kathy Abbott gelernt habe.
Die schmalen Zungen werden überkreuz auf die
Pappkante geklebt. Der Streifen im Inneren der
Schachtel verstärkt die Ecke.
Die fertig bezogene Ecke sieht so aus.
Zuerst werden alle vier Ecken ausgearbeitet, dann
kommen die langen Seiten, dann die kurzen.
Die Schachtelwände müssen während des Beziehens
innen abgestützt werden, da Efalin einen starken
Zug entwickelt und die Wände sich sonst krümmen.
Das ist mal etwas anderes, als per Post zu reisen.
Ahh, angekommen! Jetzt ein wenig die Sonne genießen ...
Brr, ein Holzofen! So ein Feuer ist ganz schön gruselig, wenn man aus Papier ist.
Runde Fenster sind einfach schön.
Das Strickzeug war natürlich auch mit von der Partie.
Der Reise-Engel, der im letzten Urlaub mit mir in der Straßenbahn zum Sport gefahren ist, hat den anderen natürlich von seinem Abenteuer erzählt. Und jetzt wollte auch ein Reise-Engel mitfahren. Diesmal aber nicht nur Straßenbahn, sondern auch Regionalbahn und sogar ICE!