Für alle, die es interessiert, hier ein paar Ansichten meiner Werkbank, wo die neue Kollektion entsteht. Hier werden gerade Schmuckboxen ausgefüttert, und die Werkstattkatze ist auch zugegen. Da darf eine Tasse Tee nicht fehlen.
Das Ausfüttern eines Etuis erfordert Zeit, Fingerspitzengefühl und den Einsatz einer Pinzette.
Hier schneide ich einen Bogen Chiyogami (das Muster 'Granat' der Edelstein-Kollektion) nach der Methode von Tine Noreille zurecht.
Die Wickelhüllen der Stifteboxen bekommen ihre Magnetlöcher. Pro Box sind es zwei Paar Magnete, damit auch eine gut gefüllte Stiftebox sicher geschlossen bleibt, bis Sie sie öffnen wollen.
Hier wurden gerade an die lids der Brillenboxen die ridge strips angeklebt. Da ich hako chitsu (siehe Glossar) aus einem englischsprachigen Lehrbuch gelernt habe, haben alle Teile auch eine englische Bezeichnung. Das macht nichts, denn meine Arbeitssprache ist ohnehin Denglisch.
Feierabend! Hier warten die Wickelhüllen der Schmuckboxen darauf, dass es am nächsten Tag weitergeht. Gerade wurden Magnete eingesetzt; da die Schmuckbox klein ist, hat sie nur ein Paar.
Große Ereignisse werfen lange vorher ihre Schatten voraus. Für mich ist das die Weihnachtsmesse Karlsruhe 2026. Die Prototypen sind fertiggestellt, es folgt das Design der Kollektion. Diese umfasst für die Schmuckboxen, Etuis, Stifteboxen, Visitenkartenboxen und Brillenboxen zwei Farbfamilien mit dem verbindenden Thema Edelsteinfarben.
1. Klarenaltar-Gruppe
Klarenaltar-Gruppe (unter Verwendung einer Fotografie des linken Außenflügels des Klarenaltars (Maître anonyme, Public domain, via Wikimedia Commons))
Die erste Farbfamilie ist benannt nach dem Klarenaltar, ein gotischer Flügelaltar im Kölner Dom, von dem Besucher je nach Datum die Werktagsseite, die Feiertagsseite oder die prächtige Hochfestseite zu sehen bekommen. Zu meiner Farbfamilie wurde ich von der Werktagsseite inspiriert, die Gold mit gedämpftem mineralischem Rot, Grün und Blaugrün kombiniert. Der Effekt ist eine fabelhaft zurückhaltende Eleganz, kostbar aber nicht aufdringlich.
2. Grün-Blau-Spektrum
Grün-Blau-Spektrum (unter Verwendung einer handgemalten Grafik von kjpargeter, Designed by Magnific)
Für die zweite Farbfamilie stand das große Grün-Blau-Spektrum der Edelstein- und Mineralpalette Pate. Ich finde es faszinierend, wie diese zwei Farben ineinander übergehen können und dabei eine unendliche Vielfalt an ansprechenden, subtilen Tönen bilden. Wie Wasser, das die Farben des Himmels und der Bäume spiegelt.
Arbeitsprozess
Überprüfen des Chiyogami auf farbliche Stimmigkeit. Hier ist das malachitfarbene Flechtwerk oben stimmiger als die türkisen Palmetten in der Mitte.
Nachdem alle farblichen Ableitungen gefunden sind, bekommt jedes Chiyogami seinen Edelsteinnamen.
So sieht das Ergebnis aus: Der Deckel einer Schmuckbox 'Granat'.
Für die großen Schmuckkassetten gibt es noch eine dritte Farbfamilie, die aber noch auf dem Reißbrett ist.
Hier ist der zweite Prototyp der neuen Kollektion, die ich auf der Weihnachtsmesse Karlsruhe vorstellen werde. Es ist eine neue Visitenkartenbox, in der die Karten diesmal liegen wie in einem Kartenhalter. In der alten Variante der Visitenkartenbox stehen sie. Welche Art ist praktischer? Und benutzen Sie überhaupt noch Visitenkarten? Genau wie analoge Bücher werden auch die Visitenkarten regelmäßig für tot erklärt, weil angeblich alle Welt nur noch die digitale Version verwendet. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger.
Dieser Prototyp ist mit einem Gewebe in Waldgrün bezogen, das auch Teil der Karlsruher Kollektion sein wird (mehr dazu im nächsten Blogbeitrag). Den Platz des Chiyogamis nimmt hier ein eigentlich sehr schönes Lokta-Papier aus Nepal ein, das aber zu den ärgerlichen Qualitäten gehört, die sich nur korrekt abbilden lassen, wenn die Linse des Fotoapparats genau parallel zum Papier steht. Bei jedem anderen Aufnahmewinkel gibt es Reflexionen und andere Störeffekte, wie Sie sehen. In der geöffneten Box von oben erscheint das Papier wie es ist. In den beiden anderen Aufnahmen sehen Sie die bunte Bandbreite fehlerhafter Abbildungen.
Beim Nachdenken über eine neue Visitenkartenbox ist mir auch die Idee gekommen, die Box, in der die Karten stehen, waagerecht zu halbieren. Damit sind die einzelnen Teilboxen nicht so tief, bieten zusammen den Karten aber dennoch genügend Platz. Voilà, der Prototyp einer Doppelbox! Diese interessante Lösung bietet beim Bau einige Schwierigkeiten mit der Ausrichtung des Chiyogamis auf den zwei Teilboxen, so dass das Muster bei geschlossener Box nahtlos weiterläuft. Das tut es auch im Großen und Ganzen, aber das verwendete Chiyogami zeigt dummerweise kleinste Abweichungen überdeutlich.
Deshalb und auch weil die Doppelbox recht aufwändig herzustellen ist, wird sie kein Teil der Karlsruher Kollektion sein, aber es war eine interessante Lernerfahrung.